Am 6. Oktober fand der erste ROBOTICS KONGRESS in der Robotation Academy in Hannover statt. Hochkarätige Vorträge und eine engagierte Podiumsdiskussion kennzeichneten die Veranstaltung, die von der Deutschen Messe AG und dem Industrieanzeiger organisiert wurde.
Mit über 50 Teilnehmern konnte der erste ROBOTICS KONGRESS als voller Erfolg verbucht werden. Die Veranstaltung ging hervor aus dem ROBOTICS AWARD, der ebenfalls in einer Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Messe AG und dem Industrieanzeiger entstanden ist. Der Preis für angewandte Roboterlösungen wurde am 5. April während der HANNOVER MESSE 2011 in der Robotation Academy auf dem Hannover Messegelände verliehen.
Prof. Dr. Bernd Wilhelm
Prof. Dr. Bernd Wilhelm, Beauftragter des Vorstands der Volkswagen AG für fortgeschrittene Robotersysteme in Wolfsburg, lenkte die Aufmerksamkeit der Zuhörer gleich zu Beginn auf ein zentrales Thema, das auf den ersten Blick gar nicht so furchtbar viel mit der Robotertechnik zu tun haben scheint: Der demografische Wandel und die Altersentwicklung in den Industrieunternehmen. Prof. Wilhelm zeigte auf, dass in diesem Bereich nicht mehr genügend junge Menschen nachrücken. Schwere Arbeit, etwa in der Automobilindustrie, können seiner Ansicht nach nicht weiter wie gehabt durch den Menschen ausgeführt werden. Als eindrückliche Beispiele führte er die Montage von Batterien und Rädern, das Handling von Pressteilen und das Handling von schweren Teilen inklusive Sichtprüfung an. Die Folgen dieser hohen, körperlichen Belastungen seien Skelett- und Muskelerkrankungen, vermehrte Fehltage und schließlich höhere Kosten für das Unternehmen. Die Lösung: Der Roboter springt ein als technischer Assistent bei Arbeiten, die ergonomisch kritisch sind.
Dr. Johannes Kurth
Auf das Thema des demografischen Wandels ging auch Dr. Johannes Kurth ein, Leiter des Bereichs Forschung und Vorentwicklung bei der Kuka Roboter GmbH in Augsburg. Doch nicht nur die alternde Belegschaft erzwingt laut Dr. Kurth alternative Roboter-Lösungen. Auch die volatilen Märkte unserer Zeit, die hohe Variantenvielfalt und die kurzen Produktlebenszyklen lassen sich seiner Ansicht nach nur durch flexible Automatisierungslösungen in den Griff bekommen. Als Beispiel für so eine Lösung stellte Dr. Kurth den Leichtbauroboter von Kuka mit seinen flexiblen Einsatzmöglichkeiten vor.
Christopher Parlitz
Christopher Parlitz, Manager Service Robotics bei der Schunk GmbH & Co. KG in Lauffen am Neckar, war schließlich der Dritte im Bunde, bei dem sich das Thema Arbeitsplatzergonomie als roter Faden durch den Vortrag zog. An Beispielen aus der Automobilindustrie zeigte Parlitz auf, dass noch heute viele Tätigkeiten von Werkern ausgeführt werden, die ab einem bestimmten Alter so nicht mehr durchführbar sind. Seine vorgestellte Lösung ist die Kooperation zwischen Roboter und Werker, bei der der Roboter als technischer Assistent und dritte Hand den Werker entlastet.
Die Podiumsdiskussion griff das Thema Mensch-Roboter-Kooperation nochmals auf – insbesondere mit Blick auf die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen, die aus Gründen des Arbeitsschutzes berücksichtigt werden müssen. Die Teilnehmer waren sich einig, dass eine gewisse Risikobereitschaft bei der Zusammenarbeit zwischen Roboter und Werker mitgebracht werden muss, da es sonst zu keiner wirtschaftlichen Lösung kommen kann. Dr. Kurth von Kuka erläuterte das mit einem eindrücklichen Vergleich: „Wenn ein ICE mit Tempo 120 durch einen kleinen Bahnhof rast, dann werden die Reisenden am Bahnsteig lediglich durch eine durchgezogene Linie geschützt, die auf das Pflaster gemalt ist.“ Bei der Zusammenarbeit zwischen Roboter und Werker hingegen müsse selbst das geringste Risiko einer Verletzung des Mitarbeiters durch den Roboter ausgeschaltet sein. „Das geht auf Kosten einer wirtschaftlichen Lösung bei der Mensch-Roboter-Kooperation“, so der Kuka-Mann.
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